Ersatz vs. Erhalt: Strategien zur Optimierung des Anlagenlebenszyklus

VonStefan Baader,Nils Blechschmidt
Lesedauer: 4 MinutenProzessindustrie, Artikel

Ersatzinvestitionen vs. Erhaltungsinvestitionen: So optimieren Sie den Lebenszyklus von Anlagen.

Jedes Industrieunternehmen steht beim Asset Life Cycle Management vor der Entscheidung, ob es in neue Anlagen investieren oder bestehende Anlagen durch Erhaltungsinvestitionen für einen profitablen Weiterbetrieb ertüchtigen soll. Weil Ersatzinvestitionen, also Neuanlagen, signifikant mehr kosten als Erhaltungsinvestitionen, liegt ein großer wirtschaftlicher Hebel darin, den Anteil an Erhaltungsinvestitionen für das eigene Unternehmen zu optimieren.

Bei der Investitionsplanung für eine Neuanlage sollten die Rahmenbedingungen sorgfältig geprüft werden. Ist eine Neuanschaffung nötig oder stellen Erhaltungsinvestitionen eine Alternative dar, mit denen die Produktion ähnlich rentabel weiterlaufen kann, aber die Investitionskosten nur einen Bruchteil betragen? Horn & Company-Analysen belegen, dass dabei häufig vorschnelle und teure Entscheidungen für die Investition in Neuanlagen getroffen werden. Der Hauptgrund dafür ist, dass Unternehmen es vernachlässigen, die notwendigen Informationen zu erheben und auszuwerten, um das Ersatzteilrisiko und das Ausfallrisiko von Anlagen zu berechnen.

Horn & Company hat deshalb eine Methode für das Asset Life Cycle Management entwickelt, die eine umfassende Risikoabschätzung für die Ersatzteilbeschaffung und den Ausfall einer Anlage ermöglicht. So lässt sich ein risikobasierter Anlagenstatus ermitteln, mit dessen Hilfe die Optimierung des Anteils an Erhaltungsinvestitionen möglich ist.

Anlagen erhalten durch Revision oder Retrofit?

Erhaltungsinvestitionen sind umfassende Maßnahmen für eine Anlage, die über die normalen budgetierten Instandhaltungsumfänge für Prävention und Optimierung hinausgehen. Je nach Umfang unterscheidet man zwischen Revision und Retrofit.

  • Die Revision umfasst vor allem Maßnahmen zur Reparatur, zur vorbeugenden Instandhaltung sowie kleinere Optimierungsmaßnahmen. Das Ziel ist es, die vorhandene Anlage durch systematischen Tausch von Ersatzteilen wieder in den bestmöglichen Zustand zu versetzen.
  • Bei einer Retrofitlösung bleiben bewährte robuste Anlagenteile erhalten, veraltete bzw. verschlissene Anlagenteile werden modernisiert; komplette Systeme (z. B. Steuerung, Bedienpanel, Bus und Antriebe einer Anlage) werden auf den aktuellen Stand der Technik gebracht.

Vergleich: Revision vs. Retrofit

Einsparpotenzial durch die Optimierung des Anteils an Erhaltungsinvestitionen

Bei der Entscheidung über ein einzelnes Investitionsprojekt liegt das Einsparpotenzial bei einer Revisionslösung bei 85 - 95% der Investitionssumme für eine Neuanlage, bei einem Retrofitprojekt circa bei der Hälfte der Neuanlagenkosten.  Der Nutzen entsteht durch eine Verschiebung/Vermeidung von Investitionskosten.

Zur Veranschaulichung des wirtschaftlichen Hebels wurden, basierend auf Erfahrungswerten aus Projekten, für ein angenommenes Anlagevermögen von 100 Mio. EUR die internen Durchführungskosten für ein Projekt zur Optimierung der Investitionskosten mit dem Nutzen, der durch eine optimale Verteilung der Investitionen auf Erhaltung und Ersatz entsteht, verglichen.

Die Projektrendite (Nutzen zu Kosten der Projektdurchführung) liegt konservativ geschätzt bei größer als 5:1.

Warum Fehleinschätzungen zu überhöhten Investitionskosten führen

Obwohl der Business Case für Erhaltungsinvestitionen oft eindeutig positiv ist, werden dennoch in der Praxis viele Investitionsentscheidungen zugunsten einer Neuanlage getroffen. Für diese Fehleinschätzung sind folgende Faktoren verantwortlich:

  • Unsicherheit bei der Risikobewertung
    In vielen Unternehmen gibt es keine etablierte Methode und Regeln zur Einschätzung des Betriebsrisikos der Altanlage.
  • Unsicherheit bezüglich der aktuellen Versorgungslage mit Ersatzteilen
    Insbesondere für elektrische/ elektronische Komponenten sind die Lebenszyklen sehr viel kürzer als die geplante Lebensdauer für die Anlage.
  • Fehlende Lieferantenpartnerschaften für die Sicherstellung des längerfristigen Weiterbetriebs der Altanlage
  • Das Inbetriebnahme-Risiko für die Neuanlage wird unterschätzt
    Neue Anlagen sind bei der Steuerung komplexer aufgebaut. Bis eine Neuanlage mit der gleichen Produktivität betrieben werden kann wie die Altanlage, dauert es oft erheblich länger als vom Hersteller versprochen
  • Unterschätzter Kompetenzbedarf für den Betrieb der Neuanlage 
    Jede neue Anlage erfordert sowohl von den Anlagenbedienern als auch von den Instandhaltern, dass sie den Umgang mit der neuen Technik lernen müssen.

Asset Life Cycle Management von Horn & Company

Ersatzteilrisiken und Ausfallrisiken systematisch bewerten

Liegen Anlagen- und Betriebsdaten in ausreichender Qualität vor, kann das Horn & Company Asset Life Cycle Management zügig durchgeführt werden. Die Methode führt eine risikobasierte Anlagenampel ein, die eine schnelle Risikobewertung ermöglicht. Die Praxis zeigt, dass viele Unternehmen unzureichende Ersatzteildaten haben. Dieses Problem kann durch den Einsatz von KI-basierten Methoden zur Optimierung der eigenen Daten sowie durch die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern zur Konsolidierung der Ersatzteildaten behoben werden.

Erfolgsfaktoren von Erhaltungsinvestitionen

Effektives Risikomanagement

Ein effektives Risikomanagement stellt sicher, dass die Altanlage unterhalb eines vom Unternehmen festgelegten Grenzrisikos betrieben wird und rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, wenn sich die Risikosituation ändert.

Der erste Schritt ist die Bestimmung des Grenzrisikos. Dazu muss zunächst die vom Unternehmen maximal tolerierte Ausfallkonsequenz festgelegt werden. Die Konsequenz ergibt sich aus den Verlusten an Deckungsbeiträgen bei einem längeren Ausfall der Anlage. In der Regel gibt es mehrere Schwellwerte, die zu unterschiedlich heftigen Reaktionen bei den Kunden führen. Die Kundenreaktionen werden monetär bewertet.

Als zweiter Faktor wird die Wahrscheinlichkeit eines Bauteilausfalls von Instandhaltung und Produktion eingeschätzt. Aus der Kombination von Wahrscheinlichkeit und Konsequenz ergibt sich die Risikobewertung. Solange die Risikobewertung im tolerierten Bereich liegt, wird die Altanlage sicher betrieben.

Aufbau von Lieferantenpartnerschaften und Ersatzteilstrategien

Lieferantenpartnerschaften und Ersatzteilstrategien sichern den stabilen und produktiven Weiterbetrieb von älteren Anlagen. Dabei geht es vor allem um einen ausreichenden Vorrat an Ersatzteilen, die Reparatur von Ersatzteilen von Anlagen, zum Beispiel auch von Steuerungselementen, oder sogar den Nachbau von Ersatzteilen. Darüber hinaus können auch der Umbau von Anlagen mit entsprechenden Nachfolgekomponenten und die Modernisierung durch einen Retrofit für einen profitablen Weiterbetrieb sorgen.

Unsere Abbildung zeigt die wesentlichen Bausteine einer Strategie, die den Aufbau von Lieferantenpartnerschaften und den Zugang zu Ersatzteilen miteinander kombiniert.

Fazit

Jetzt den risikoabgesicherten Weiterbetrieb von vorhandenen Anlagen prüfen und hohe Investitionskosten sparen.

Analysieren Sie das heute bestehende Risiko für Ihren Anlagenpark. Neben der Absicherung ihrer Produktionsfähigkeit, insbesondere bei älteren Anlagen, erschließen Sie sich die Fähigkeit, Investitionen zeitlich nach hinten zu schieben oder sogar zu vermeiden. Horn & Company bietet Ihnen das Know-how, mit dem Sie Ihre Produktion zu optimalen Kosten auf die Zukunft vorbereiten.

Ein effizientes Asset Life Cycle Management erfordert das Zusammenspiel vieler Spezialisten bei der Bewertung der vorhandenen Anlagen, IT-Know-How und die Fähigkeit, sich eine „Community“ von Partnerunternehmen für lebensdauerverlängernde Maßnahmen aufzubauen.

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