Die Zukunft des Glasdachs in der Automobilindustrie: Wie der Yield bei High-Tech-Panoramadächern verdoppelt wurde 

VonIvo Schmincke
Automotive, Blogartikel

Die Automobilbranche erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Mit dem Aufstieg von Elektromobilität, autonomem Fahren und gesteigerten Sicherheitsanforderungen rücken innovative Fahrzeugkonzepte immer mehr in den Fokus. Ein zentrales Element dabei: das Panoramadach. Glaslösungen mit schaltbaren Eigenschaften, wie PDLC-Technologie (Polymer Dispersed Liquid Crystal), die per Knopfdruck zwischen transparent und milchig wechseln oder auch andere Bilder generieren, bieten Herstellern völlig neue Möglichkeiten. Glasdächer gewinnen an Bedeutung, weil sie das Design und den Komfort verbessern, den Innenraum optisch vergrößern und den Passagieren eine individuell anpassbare Atmosphäre bieten. Besonders bei Elektrofahrzeugen, die oft großzügigere Innenräume aufgrund der fehlenden Verbrennungstechnik bieten, ergänzen Glasdächer das moderne, zukunftsorientierte Design. Mit der Verbreitung der E-Mobilität werden auch Ausstattungsvarianten mit Glasdächern als zentrales Element stark zunehmen.

Technologische Herausforderungen bei Glasdächern

Für Glasproduzenten bringt die Entwicklung von Panoramadächern jedoch eine Vielzahl technischer Herausforderungen mit sich. Zu den zentralen Fragen der Flexibilität, Bruchfestigkeit und optischen Qualität kommen nun auch Schwierigkeiten wie:

  • Dynamische und statische Deformation – Verformungen können durch thermische und mechanische Belastungen auftreten.
  • Einfluss von Verpackung und Lagerung – Unsachgemäße Handhabung kann zu Mikrodefekten oder Spannungsbrüchen führen. Auch können Gläser durch falsche Verpackung ihre Form verändern
  • Verarbeitung von PVB-Folien – Gläser werden durch den Einsatz von dem Kunstharz Polyvinylbutyral (PVB) miteinander verklebt. Die Möglichkeit die Form dieses Laminats zu verändern, eröffnet neue Optimierungspotenziale, birgt aber auch Herausforderungen in der Fertigung.

Der Wandel von Verbundsicherheitsglas zu teilvorgespanntem Verbundglas

In der Glasproduktion gibt es einen klaren Trend: Standard-Verbundglas wird zunehmend durch teilvorgespanntes Verbundglas ersetzt. Dies erfordert einen Wechsel in der Produktionstechnik, mit einem Trend hin zum Single Press Bending. Dies bringt spezifische Herausforderungen mit sich:

Erhöhte Flexibilität des Glases

Der Wechsel des Biegeverfahrens führt zu anderen Spannungskonstellationen in den einzelnen Glasscheiben und dem Verbund, was sich auch auf die Flexibilität auswirkt

Veränderte Eigenschaften des Laminats und der PVB-Folie

Das Zusammenspiel zwischen Glas und PVB ist temperaturabhängig und kann zu zusätzlichen Verspannungen im Laminat führen

Spezielle Anforderungen an Transport und Verpackung

Verpackungsdesign hat Einfluss auf die Formstabilität des Endprodukts und unterstützt einen reibungslosen Einbau in die Fahrzeugkarosse

Unser Beratungsansatz: Glas-Know-how trifft auf Hands-on-Mentalität

Wir haben unsere umfassende Expertise im Bereich Glas sowie unsere Hands-on-Mentalität in die Beratung eines führenden Herstellers von Panoramadächern eingebracht. Unsere Vorgehensweise war klar strukturiert:

  1. Analyse der Prozessketten – Identifikation von Schwachstellen in der Produktion.
  2. Entwicklung individueller Lösungen – Optimierung von Pressbiegemaschinen und Laminationsprozessen, durch Anpassung und Optimierung von Parametern und Hardware und damit die Verbesserung der Geometrie
  3. Implementierung von Yield-Verbesserungen – Durch spezifische Anpassungen konnten wir den Gesamt-Yield um 65% und bei mehreren Highrunner-Produkten von 25% auf über 50% verbessern
  4. Einsatz von „Design of Experiments“ als Problemlösungsmethodik – DOE ist strukturiertes Vorgehensmodell zur schnellen Identifikation und Behebung von Problemursachen, wenn klassische Tools wie ein 8D-Report oder Ishikawa-Diagramm nicht mehr ausreichen
  5. Optimierung von Umspritzungsverfahren – Effizientere Abdichtungsverfahren zur Reduktion von Glasbruch von 30% auf unter 10% und prozessspezifische Yield-Steigerung von 50% auf 85%

Der Mehrwert für unsere Kunden

Durch unseren einzigartigen Beratungsansatz profitieren Glasproduzenten in mehrfacher Hinsicht:

Schnellere Problemidentifikation

dank unserer Outside-in-Perspektive und Branchenerfahrung.

Höhere Produktivität und Effizienz

durch gezielte Verbesserungen in der Fertigung, abgestimmt auf die teilweise einzigartigen Prozesse

Nachhaltige Prozessoptimierung

durch strukturierte Ursachenidentifikation mit DOE

Unsere Arbeit hat gezeigt: Mit der Expertise, den passenden Maßnahmen und der richtigen Mentalität lassen sich selbst in hochkomplexen Fertigungsumgebungen signifikante Effizienzsteigerungen erzielen. Der Erfolg dieses Projekts bestätigt unseren Ansatz – und unterstreicht unsere Kompetenz als strategischer Partner in der Glasindustrie.

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