Skalierung von Best Practices über Werke, Geschäftsbereiche und Regionen hinweg

VonAnders Ryberg
Lesedauer: 4 MinutenProzessindustrie, Artikel

Für Unternehmen mit mehreren Standorten ist die Einführung von Best-Practice-Standards sowie der standort- und regionsübergreifende Austausch von Know-how ein äußerst wirksamer Hebel, um operative Exzellenz zu erreichen und langfristig zu sichern.

Obwohl die Bedeutung dieses Ziels allgemein anerkannt ist, zeigt unsere Projekterfahrung, dass viele Unternehmen das Potenzial ihrer Best-Practice-Initiativen nicht vollständig ausschöpfen oder die erzielten Verbesserungen nicht nachhaltig verankern. Die Ursachen liegen meist in einer begrenzten Zahl wiederkehrender Herausforderungen. Die zugrunde liegenden Gründe hängen in der Regel mit einer begrenzten Anzahl immer wiederkehrender Herausforderungen zusammen.

Typische Fragen und Herausforderungen, die in unseren Projekten auftreten:

  • Wie lassen sich Best-Practices identifizieren, bewerten und vereinbaren? Was muss verbessert werden, wie sollte dies gemessen werden und welche Vorteile lassen sich durch die Umsetzung realistisch erzielen?
  • In operativen Bereichen wie der Produktion oder der Instandhaltung bestehen zwischen den einzelnen Werken oft erhebliche Unterschiede hinsichtlich Größe, Komplexität und Leistungsniveau. Eine einfache Übertragung oder ein „Einheitsansatz“ funktioniert in der Praxis selten.
  • Wie können Unternehmen das richtige Gleichgewicht zwischen globaler Standardisierung und der notwendigen lokalen Flexibilität finden?
  • Wie lassen sich die Einhaltung der Vorgaben, der Umsetzungsfortschritt und die Wertschöpfung transparent machen? Wie lassen sich standortübergreifende Zusammenarbeit und nachhaltige Synergien sicherstellen?
  • Wie können lokale Akteure in der Identifizierungs- und Entwicklungsphase aktiv einbezogen und eingebunden werden? Was schafft den „Anreiz“ für einzelne Werke, bewährte Verfahren einzuführen?

Das H&C-Assessment- und Implementierungsframework

Der Ansatz von Horn & Company geht auf die oben beschriebenen Herausforderungen ein und liefert Lösungsansätze. Um den aktuellen Einsatz von Best Practices zu bewerten, deren Umsetzung zu stärken und ungenutztes Leistungspotenzial freizusetzen, empfehlen wir die folgenden wesentlichen Schritte: 

1. Top-Down Performance Analyse und Benchmarking

Durchführung einer übergreifenden Bewertung der operativen Leistung an allen Standorten und Vergleich der Ergebnisse mit relevanten internen und externen Referenzwerten.

Zu den wichtigsten Aktivitäten gehören:

  • Zusammenstellung und Auswertung relevanter Leistungsdaten
  • Überprüfung der wichtigsten operativen Daten und KPIs
  • Internes und externes Benchmarking
  • Ermittlung vorrangiger Schwerpunkte
2. Gruppierung der Werke in Cluster

Auswertung der Top-Down-Leistungsanalyse und des Benchmarkings sowie Ermittlung der wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Werken. Gruppierung der Werke in Cluster anhand von Betriebsgröße, Reifegrad und Leistungsmerkmalen.

Ziel ist es, Cluster von Werken zu bilden, die in ähnlichen Leistungsbereichen operieren und daher vergleichbare Prozesse, Herausforderungen und Verbesserungshebel aufweisen. In vielen Fällen bieten neun Cluster ein angemessenes Maß an Differenzierung.

3. Tiefgreifende Analysen und Ergänzung durch Best-Practice-Verfahren von H&C

Führen Sie anhand der Ergebnisse der Top-down-Bewertungen gezielte Analysen in ausgewählten Schwerpunktbereichen durch. Beispiele hierfür sind:

  • Detaillierte Prozessabbildung und -analyse
  • Qualitative Reifegradbewertung anhand der Best-Practice-Standards von Horn & Company
  • Durchführung einer Spend Cube Analyse und detaillierte Bewertungen der Materialwirtschaft bzw. des Lagerbestands
  • OEE- und Produktionsausfallzeitanalyse

Die detaillierten H&C-Best-Practice-Leitlinien zu Prozessen, Werkzeugen und organisatorischen Strukturen für alle Schlüsselbereiche des Instandhaltungsbetriebs helfen dabei, Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren, und können dazu genutzt werden, die detaillierten Empfehlungen dazu, wie und welche Praktiken verbessert werden sollten, zu ergänzen oder zu erweitern. 

4. Bottom-up-Validierung und Potenzialbewertung

Führen Sie gemeinsam mit den lokalen Teams vor Ort gezielte Bewertungen durch, um die Ergebnisse zu validieren, zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen und das Engagement der Organisation zu stärken. Zu den typischen Aktivitäten gehören:

  • Anwendung der Bewertungsmethoden von Horn & Company wie MST©, MPA© und O.E.E.+
  • Bewertung von Verbesserungspotenzialen und geschäftlichen Auswirkungen
  • Priorisierung von Initiativen und Erarbeitung detaillierter Empfehlungen
  • Schaffung von Dynamik und Eigenverantwortung für Veränderungen innerhalb der Standortteams

In der Regel sollte innerhalb jedes Clusters mindestens eine Reifegradbewertung durchgeführt werden, um Transparenz hinsichtlich der Organisationsstrukturen, Prozesse, Instrumente und Arbeitsmethoden zu schaffen, die die in der Top-down-Analyse festgestellte Leistung beeinflussen. Diese Bottom-up-Perspektive bestätigt die identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten und unterstützt die Festlegung realistischer Einsparungsziele und Umsetzungszeitpläne.

5. Umsetzungsplanung und Vorbereitung

Der Umsetzungsplan sollte auf die Ergebnisse der vorangegangenen Phasen zugeschnitten sein.

Neben den identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten zeigt unsere Projekterfahrung immer wieder, wie wichtig es ist, das gesamte Instandhaltungssystem zu stärken und die folgenden entscheidenden Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren zu schaffen:

  • Solide Steuerungsstrukturen und regelmäßige Leistungsüberprüfungen
  • Klare Rollen, Verantwortlichkeiten und Ressourcenzuweisung
  • Ein „Train-the-Trainer“-Ansatz zum Aufbau von Kompetenzen
  • Eine gemeinsame Plattform für das Dokumentenmanagement
  • Klar definierte Leistungs- und Steuerungskennzahlen (KPIs)

Diese Maßnahmen verdeutlichen zugleich die Notwendigkeit und den Nutzen des standortübergreifenden Austauschs von Best Practices. Durch den sichtbaren Mehrwert für die einzelnen Werke entsteht eine eigenständige Nachfrage nach der Umsetzung („Pull-Effekt“). 

Die Verankerung der Verbesserungen als neue Arbeitsweise fördern

Um den Gesamterfolg sicherzustellen und eine Instandhaltung nach Best-Practice-Standards zu erreichen und aufrechtzuerhalten, müssen im Rahmen der Transformation von Beginn an drei übergeordnete Hebel berücksichtigt werden.

Das Managementsystem

  • Sicherstellung der Ausrichtung an den übergeordneten Geschäftstreibern und Unternehmenszielen
  • Aufzeigen des Transformationspotenzials (Anlagenstillstände und Instandhaltungskosten)
  • Etablierung übergeordneter Instandhaltungs-KPIs und Integration in den Zielsetzungsprozess des Managements

 

Die Unternehmenskultur (soziales System)

  • Einbindung aller Mitarbeiterebenen
  • Aufbau zentraler und dezentraler Ressourcen
  • Schulungen mit einem praxisorientierten („Hands-on“-)Ansatz zur Erzielung schneller erster Erfolge
  • Nutzung von „Leuchtturm“-Assessments und -Implementierungen, um den Nutzen sichtbar zu machen und Best Practices zu verbreiten

 

Das Instandhaltungssystem

  • Entwicklung eines Werkzeugkastens mit leicht umsetzbaren Standardlösungen („Blueprints“) für Prozesse, Werkzeuge und Systeme (für jeden Verbesserungsbereich)
  • Erstellung von Schulungsunterlagen und Standards für technische Best Practices (Checklisten, Instandhaltungspläne, Stillstandspläne usw.)
  • Implementierung von IT-Systemen zur Unterstützung des Austauschs und der Verbreitung von Best Practices

Fazit und Empfehlungen

Die Umsetzung und konsequente Nutzung des erheblichen Potenzials gemeinsamer Standards und Best Practices ist grundsätzlich nicht kompliziert. Der Erfolg setzt jedoch ein klar strukturiertes Rahmenwerk, eine disziplinierte Umsetzung sowie einen erheblichen Implementierungsaufwand voraus.

Empfehlungen auf einen Blick
  • Starten Sie mit einer umfassenden Standortbestimmung (Assessment), um Verbesserungspotenziale systematisch zu identifizieren und zu priorisieren.
  • Die Qualität der Ergebnisse hängt maßgeblich ab von:
    • dem Zugang zu externen Benchmarks und branchenweiten Best Demonstrated Practices (BDPs),
    • der Anwendung bewährter Methoden und Werkzeuge,
    • einer professionellen Moderation sowie der frühzeitigen Einbindung aller relevanten Stakeholder.
  • Der langfristige Erfolg hängt entscheidend von einem wirksamen Change Management und der aktiven Einbindung der Mitarbeitenden ab.
  • Die konkrete Umsetzungs-Roadmap sollte auf den Ergebnissen des Assessments aufbauen und individuell darauf abgestimmt werden.

Horn & Company unterstützt Sie dabei mit fundierten Benchmark-Erkenntnissen, methodischer Expertise und umfassender Implementierungserfahrung. Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie Ihre spezifische Situation im Detail diskutieren möchten.

Kontaktieren Sie uns jetzt

Ob erste Gedanken oder konkrete Pläne – wir hören zu, fragen nach und entwickeln gemeinsam weiter. In einem unverbindlichen Erstgespräch klären wir, wo Sie stehen und wie wir Sie unterstützen können.

//Über die Autor:Innen

//Das könnte Sie auch interessieren

09. Juli 2026
Maintenance Intelligence in der Instandhaltung
Wie KI die Instandhaltung intelligenter macht: Voraussetzungen, Use Cases und pragmatische Ansätze für erfolgreiche Maintenance Intelligence.
Lesen
29. Juni 2026
Solar und PV zwischen Wachstum und Restrukturierungsbedarf
Solar- und PV-Projekte bleiben wachstumsstark, stehen aber durch Erlösdruck, Netzengpässe und Finanzierungskosten stärker unter Prüfstand.
Lesen
16. Juni 2026
Wie lassen sich Umsatzpotenziale im Aftermarket systematisch heben?
Wie Automotive-Zulieferer im Aftermarket Umsatzpotenziale heben: durch bessere Verfügbarkeit, SKU-Steuerung und End-to-End-Optimierung. Jetzt lesen!
Lesen