Kurzfristige Cash-Effekte, Langfristige Wettbewerbsfähigkeit

VonWilhelm Schreiner,Dr. Ing. Christian Frenzel,Alexander Zielske
Lesedauer: 4 MinutenProzessindustrie, Artikel
Im Überblick

Die Prozessindustrie steht in Anbetracht der strukturellen Herausforderungen am Standort Deutschland unter erheblichem Transformationsdruck. Die jüngste Energiekrise, Regulatorik und Dekarbonisierung erhöhen zusätzlich die Komplexität. In dieser Lage sind Programme besonders erfolgreich, die nicht alles auf einmal versprechen, sondern stufenweise entlang eines klaren Frameworks vorgehen. 

Unsere langjährige Erfahrung in der Prozessindustrie sowie aktuelle Marktbeobachtungen zeigen deutlich: Transformationsprogramme greifen häufig zu kurz und versanden ohne einen EBIT-relevanten Effekt, wenn sie die relevanten Steuerungsgrößen aus Cash Cost und Service nicht adressieren und die resultierenden Interessenkonflikte nicht offen angehen. Deshalb nutzen wir in unseren Transformationsprojekten in der Prozesschemie, basierend auf den neuesten Technologien, das Cash-Cost-Service-Dreieck als Framework zur Ausrichtung der Strategie und Steuerung der Umsetzung.

Warum ist das Balancieren von Cash, Kosten und Service entscheidend?

In der Prozessindustrie sind Service, Qualität und Sicherheit die zentralen Maßstäbe jeder Veränderung. Sie entscheiden, ob Anlagen stabil laufen und Lieferzusagen gehalten werden. Störungen, Notfallmaßnahmen, Qualitätsverluste oder teure Ersatzbeschaffungen können Kosteneinsparungen nicht kompensieren.

Deshalb starten wir nicht mit einem Sparziel, sondern definieren klare Leitplanken:
Welches Servicelevel muss mindestens erreicht oder gehalten werden und welche Kennzahlen definieren das verbindlich? Typische Zahlen sind OTIF, Qualitätskennzahlen, Sicherheitsanforderungen und kritische Anlagenperformance Werte. Sobald diese Leitplanke definiert ist, wird das Cash-Cost-Service-Dreieck zur Steuerungslogik und das Servicelevel wird eingefroren. Innerhalb dieses Rahmens werden die anderen beiden Dimensionen stufenweise optimiert. So erzielen wir schnelle Effekte und verankern diese nachhaltig, ohne die operative Leistungsfähigkeit zu gefährden.

Vom Konzept zur wirksamen Umsetzung

Wir haben unser Programm so konzipiert, dass es den Finanzierungsaufwand minimiert und sich letzlich selbst finanziert. Zunächst priorisieren wir kurzfristig die Freisetzung von Cash und nutzen diesen finanziellen Spielraum, um die nächsten Schritte zu finanzieren. Anschließend sichern wir die Wirkung über strukturelle Kostenmaßnahmen ab und führen sie in ein dauerhaft tragfähiges Setup über.

Das Cash-Cost-Service-Dreieck dient dabei als Kompass und das Servicelevel wird als feste Leitplanke gesetzt. Innerhalb dieses Rahmens arbeiten wir stufenweise: so bleibt die Reihenfolge klar, und jede Maßnahme lässt sich sauber steuern.

Stufe 1: Servicelevel als Leitplanke festlegen

Zu Beginn legen wir gemeinsam die Kennzahlen zur Definition des Servicelevels fest.
Aus unserer Erfahrung sind dies meist OTIF, Qualitätskennzahlen, Sicherheitsanforderungen und kritische Werte zur Anlagenperformance.

Jede Maßnahme des Programms wird konsequent an diesen Kennzahlen gespiegelt. Gefährdet eine Maßnahme das Servicelevel, braucht es entweder eine Alternative oder eine bewusste Entscheidung auf Managementebene. Auf diese Weise wird verhindert, dass eine Maßnahme zu unvorhergesehenen Sonderkosten führt und die Effekte verloren gehen.

Stufe 2: Cash gezielt freisetzen

Wenn die Leitplanken stehen, werden die Cash-Maßnahmen, die entlang der drei Stellgrößen Days Inventory Outstanding (DIO), Days Sales Outstanding (DSO) und Days Payables Outstanding (DPO) sauber verzahnt sind, adressiert.

Auf der DIO-Seite reduzieren wir Bestände und Durchlaufzeiten, indem wir Planungsparameter, Losgrößen, Sicherheitsbestände und Wiederbeschaffungslogiken gemeinsam anpassen. So verringern wir Kapitalbindung, ohne das gesetzte Servicelevel zu gefährden. 

KI-unterstützte Demand-Forecasting-Methoden ermöglichen dabei eine präzisere Bedarfsprognose und helfen, Bestände konsequent am tatsächlichen Bedarf auszurichten sowie Überbestände gezielt abzubauen. Ergänzend nutzen wir Advanced Planning and Scheduling (APS), um detaillierte Produktionspläne zu erstellen, alternative Planungsszenarien zu simulieren und dadurch mehr Transparenz sowie Steuerungsfähigkeit zu schaffen.

Parallel beschleunigen wir über die Stellgröße DSO den Cash-Inflow, indem wir Order to Cash konsequent straffen, Abnahme und Abrechnung sauber aufsetzen und das Forderungsmanagement wirksam steuern. Im Einkauf optimieren wir Zahlungsbedingungen zur Liquiditätssicherung und stärken über den Purchase-to-Pay-Prozess die Prozesstreue.

Wir starten bewusst mit wenigen, klaren Prioritäten und setzen eine kurze Umsetzungswelle auf, die schnell Wirkung zeigt.

Stufe 3: Kostenbasis flexibilisieren und Wirkung absichern

Im nächsten Schritt flexibilisieren wir die Kostenbasis, ohne die definierten Leitplanken zu gefährden. 

Zentrale Hebel sind:

  • Flexible Workforce- und Schichtmodelle
  • Qualifizierungsmaßnahmen
  • Variable Einsatzlogik auf dem Shopfloor

Ergänzend prüfen wir das Outsourcing von Leistungen außerhalb des Kerngeschäfts, unter der Voraussetzung, dass Steuerung und Qualität gesichert bleiben. Gleichzeitig flexibilisieren wir Lieferanten- und Vertragsmodelle, um Mengen und Services bedarfsgerecht steuern zu können. 

Effizienzprogramme entlang der Wertschöpfung reduzieren Stillstände, Leerlauf und unnötige Tätigkeiten. Wir quantifizieren die Wirkung, übersetzen sie in ein Operating Model und verankern die Umsetzung über Routinen, Governance und klare Verantwortlichkeiten.

Stufe 4: Resilienz über Footprint und Asset-Netzwerk verankern

In der letzten Stufe überführen wir die Verbesserungen in eine langfristig wettbewerbsfähige Struktur, sodass Entscheidungen zum Standort- und Produktionsnetzwerk systematisch bewertet werden. 

So entsteht ein resilientes Unternehmen, das sich flexibel an die Marktbedingungen anpassen kann.

Kostenlos erfahren,
wo Sie im Wettbewerb stehen.

Wie sieht der Beratungsansatz als Gesamtsystem aus?

Der Kern ist eine klare Sequenz, gesteuert über das Cash-Cost-Service-Dreieck:

Schritt 1

Servicelevel definieren und verbindliche Leitplanken festlegen.

Schritt 2

Diagnose und Fokus über Quick-Scan, Priorisierung, Ambitionsniveau und sofortige Cash Maßnahmen.

Schritt 3

Umsetzung von Maßnahmenwellen mit messbarer Wirkung. Verankert über Governance, klaren Verantwortlichkeiten und KPIs.

Schritt 4

Flexibilisierung und Footprint Entscheidungen als logische Fortsetzung, nicht als isoliertes Parallelprojekt.

Welchen Mehrwert schafft der Ansatz Für das Executive Management?

Wo stehen Sie im Wettbewerb wirklich?

Mit dem kostenlosen High Level Benchmarking erhalten Sie einen klaren Überblick darüber, wie Ihr Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz positioniert ist. Wir analysieren zentrale Kennzahlen und zeigen transparent, wo Sie in Bezug auf Kostenstruktur, Kapazität und Effizienz stehen.

Das Ergebnis: eine fundierte Ersteinschätzung mit konkreten Hinweisen auf Handlungsbedarfe und Stellhebel  als Grundlage für weiterführende Diskussionen.

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