Mehr als Punkte und Rabatte: Was Loyalty-Programme wirksam macht

VonJudith Kathol,Jan Witte
Lesedauer: 3 MinutenRetail & Consumer Goods, Artikel

Dass Loyalty-Programme mehr leisten müssen als Punkte und Rabatte zu verteilen, ist unstrittig. Sie sollen Wert schaffen, Beziehungen stärken, personalisiert sein und über Kanäle hinweg funktionieren. Eh klar, oder?

Kundenloyalität jenseits von Punkten und Rabatten

Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Erkenntnisstand, sondern in der Konsequenz der Umsetzung. Daten, Technologie und methodisches Know-how sind heute in vielen Organisationen vorhanden. Trotzdem bleiben zahlreiche Programme deutlich hinter ihrem Potenzial zurück.

Der Grund ist selten fehlendes Wissen, sondern unzureichende „Execution“. Loyalität wird oft abstrakt beschrieben, aber nicht dort gestaltet, wo sie tatsächlich entsteht: in konkreten Nutzungssituationen, für reale Bedürfnisse und im direkten Vergleich zu verfügbaren Alternativen.

Nicht lauter, nicht komplexer – sondern passender.

Loyalität entsteht durch wahrgenommenen Wert

Loyalität ist kein Ergebnis einzelner Aktionen, sondern das Resultat wiederholter Erfahrungen über Zeit. Sie entsteht, wenn Kundinnen und Kunden erleben, dass sich eine Beziehung lohnt: funktional, emotional – beides. Rabatte und Punkte können Aufmerksamkeit erzeugen. Dauerhafte Bindung entsteht jedoch durch Relevanz, Verlässlichkeit und das Gefühl, verstanden zu werden. Exklusive Vorteile, Services oder Erlebnisse, die über den einzelnen Kauf hinausgehen, sind dafür entscheidend. Dabei zählt weniger, objektiv besser zu sein als andere. Entscheidend ist, im jeweiligen Nutzungskontext als die beste verfügbare Option wahrgenommen zu werden. Loyalität entsteht aus einem relativen Vorteil – im Vergleich zu den Alternativen, die eine Kundin oder ein Kunde in diesem Moment erwägt.

Warum genau transaktionale Loyalität an Grenzen stößt

Viele Programme fokussieren weiterhin auf das, was leicht messbar ist: Transaktionen, Umsatz, Frequenz. Belohnt wird vergangenes Verhalten. Das ist nachvollziehbar, da die Effekte kurzfristig sichtbar und operativ gut steuerbar sind.

Genau darin liegt die Grenze. In Märkten mit hoher Auswahl und vergleichbaren Leistungen bleibt preisbasierte Loyalität fragil. Sie bindet selten über den Moment hinaus und lässt sich schnell substituieren.

Je austauschbarer Angebote werden, desto relevanter werden andere Faktoren: Beziehung, Kontext und wahrgenommener Mehrwert. Genau hier verschiebt sich der Fokus von der reinen Wiederholung zur echten Präferenz.

Daten und Technologie: Die Voraussetzungen sind da

Die Voraussetzungen sind in vielen Unternehmen gegeben. Umfangreiche Kundendaten, leistungsfähige Technologien und erprobte Methoden stehen zur Verfügung.

In der Praxis scheitert die Wirkung jedoch häufig an der Umsetzung. Daten sind fragmentiert, inkonsistent oder nicht zu einem belastbaren Kundenbild zusammengeführt. Technologien werden eingeführt, ohne klar definierte Anwendungsfälle. Statt relevanter Erlebnisse entstehen regelbasierte Kampagnen, austauschbare Empfehlungen oder eine Überpersonalisierung, die aus Kundensicht beliebig wirkt.

Hinzu kommt: Personalisierung wird oft isoliert gedacht - als Marketing- oder IT-Thema. Ohne klare Zielbilder, Priorisierung und Governance steigt die Komplexität, während der wahrgenommene Nutzen gering bleibt.

Konsistente Prinzipien berücksichtigt in jedem Kontext

Loyalität entsteht nicht an einzelnen Touchpoints, sondern im Zusammenspiel vieler Interaktionen. Kundinnen und Kunden bewegen sich selbstverständlich über Kanäle hinweg und erwarten kein perfektes, aber ein stimmiges Gesamtbild.

Inkonsistenzen werden schneller wahrgenommen und wirken sich direkt auf Vertrauen und Bindung aus.

Deswegen müssen die grundlegenden Mechanismen von Loyalität harmonisiert sein in puncto Relevanz, Verlässlichkeit und Beziehung. Was sich in Richtung Nutzer unterscheidet, ist die jeweilige Ausprägung.

Je nach Kontext stehen Bequemlichkeit, Inspiration, Beratung oder Zugehörigkeit im Vordergrund. Programme, die diese Unterschiede berücksichtigen, sind anschlussfähiger als solche, die auf ein einheitliches Modell setzen.

Ein Blick in den Handel

Im Lebensmittelhandel entsteht Loyalität im Alltag. Relevanz zeigt sich hier weniger durch exklusive Erlebnisse als durch Passung im richtigen Moment: Hilfreiche Hinweise, personalisierte Angebote entlang tatsächlicher Einkaufsgewohnheiten oder eine konsistente Verknüpfung von Einkauf, App und Vorteilen. Ein pauschales Programm für alle greift zu kurz, wenn Bedürfnisse zwischen routinierten Wocheneinkäufen und spontanen Besorgungen stark variieren.

In Drogeriemärkten verschiebt sich der Schwerpunkt. Neben Frequenz spielen Orientierung, Vertrauen und Inspiration eine größere Rolle. Loyalität entsteht dort, wo Programme nicht nur belohnen, sondern unterstützen – etwa durch relevante Inhalte, Services oder Vorteile, die über den einzelnen Kauf hinausgehen.

Im Fashionhandel ist Loyalität stärker mit Identifikation verbunden. Preisliche Anreize sind wichtig, reichen alleine jedoch selten aus, um Präferenz aufzubauen. Relevanz entsteht eher durch exklusive Zugänge, frühzeitige Informationen oder Erlebnisse, die Zugehörigkeit vermitteln.

Im DIY-Umfeld wiederum sind Kaufentscheidungen häufig projektbezogen. Loyalität entsteht weniger durch einzelne Transaktionen als durch Unterstützung über einen längeren Zeitraum hinweg – etwa durch Beratung, Planungshilfen oder Services, die ein Vorhaben erleichtern.

Über alle Formate hinweg zeigt sich ein ähnliches Muster: Loyalität entsteht dort, wo Angebote und Vorteile im jeweiligen Kontext als hilfreich und relevant erlebt werden. Genau deshalb stoßen standardisierte Programme an ihre Grenzen – und genau deshalb gewinnen differenzierte, test- und anpassungsfähige Ansätze an Bedeutung.

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