Independent Business Review und 
Sanierungsgutachten nach IDW S 6

VonDr. Christian Czernay,Chris Meidinger
Lesedauer: 3 MinutenIndustriegüter, Artikel

In wirtschaftlich angespannten Situationen geht es selten um einzelne Kennzahlen. Entscheidend ist, ob ein Gesamtbild entsteht, das tragfähig ist und Entscheidungen ermöglicht. Genau an dieser Stelle kommen zwei Instrumente zum Einsatz, die unterschiedliche Fragen beantworten: der Independent Business Review (IBR) und das Sanierungsgutachten nach IDW S 6. Beide haben ihren festen Platz im Restrukturierungsprozess, allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlicher Zielrichtung.

Independent Business Review: belastbare Einordnung der aktuellen Lage

Ein Independent Business Review (IBR) dient der unabhängigen Einordnung der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens. Im Mittelpunkt steht die integrierte Planung und deren innere Logik. Es wird geprüft, ob Annahmen, Maßnahmen, Ergebnisentwicklung und Liquiditätspfad zueinander passen und welche Faktoren die Planung tatsächlich treiben.

Der IBR ist kein Sanierungskonzept im engeren Sinne. Er soll Transparenz schaffen und eine gemeinsame Faktenbasis herstellen. Typisch ist der Einsatz dort, wo Entscheidungen vorbereitet werden müssen, etwa bei Refinanzierungen, strategischen Weichenstellungen oder deutlichen Abweichungen vom Plan. Ebenso wird ein IBR genutzt, um frühzeitig eine strukturierte Außensicht zu erhalten, bevor sich Risiken weiter verdichten.

Seine Stärke liegt in der Fokussierung. Ein IBR kann gezielt auf diejenigen Themen ausgerichtet werden, die für die jeweilige Situation entscheidend sind, etwa Liquiditätssteuerung, Maßnahmenwirksamkeit, Working Capital oder die Robustheit von Marktannahmen. Dadurch entsteht Entscheidungsreife, ohne bereits die formale Tiefe eines Sanierungsgutachtens aufzubauen.

Wann ein IBR nicht mehr ausreicht

Ein IBR prüft Plausibilität und Konsistenz. Er ersetzt jedoch nicht den formellen Nachweis der Sanierungsfähigkeit. Sobald strukturelle Maßnahmen erforderlich werden oder finanzielle Zusagen mit größerer Reichweite im Raum stehen, steigen die Anforderungen an Herleitung und Dokumentation. In diesen Situationen wird regelmäßig ein Sanierungsgutachten nach IDW S 6 relevant.

Sanierungsgutachten nach IDW S 6: strukturierter Nachweis der Sanierungsfähigkeit

Das Sanierungsgutachten nach IDW S 6 folgt einem anerkannten Standardrahmen für Sanierungskonzepte. Ziel ist es, nachvollziehbar darzulegen, ob ein Unternehmen durch definierte Maßnahmen wieder nachhaltig fortführungsfähig werden kann. Im Unterschied zum IBR steht nicht die reine Plausibilisierung im Vordergrund, sondern die begründete Herleitung.

Typische Anwendungssituationen sind Prolongationen bestehender Finanzierungen, die Bereitstellung von Fresh Money, Covenant-Verletzungen oder strukturierte Stundungs- und Standstill-Vereinbarungen. In all diesen Fällen geht es nicht nur darum, Zeit zu gewinnen, sondern einen tragfähigen Pfad aufzuzeigen, der Ertragskraft, Liquidität und Finanzierung in Einklang bringt.

Ein Sanierungsgutachten umfasst daher neben der Analyse der Krisenursachen ein klares Zielbild des sanierten Unternehmens, ein konsistentes Maßnahmenprogramm und eine integrierte Planung. Entscheidend ist, dass Maßnahmen finanziell durchgerechnet und in Szenarien getestet werden.

Zwei Instrumente, eine Logik

In der Praxis ergänzen sich IBR und IDW S 6 häufig. Ein IBR schafft zunächst Klarheit über Ausgangslage, Risiken und Optionen. Auf dieser Basis kann entschieden werden, ob ein formelles Sanierungskonzept erforderlich ist und wie dessen Schwerpunktsetzung aussehen sollte. Der Übergang ist dann besonders effizient, wenn Analyse, Planung und Maßnahmenlogik konsistent weitergeführt werden.

Horn & Company im Kontext von IBR und IDW S 6

Horn & Company ist seit vielen Jahren in Restrukturierungs- und Turnaround-Situationen tätig und begleitet regelmäßig Unternehmen und deren Stakeholder bei der Erstellung von Independent Business Reviews sowie Sanierungsgutachten nach IDW S 6.

Kennzeichnend ist eine Arbeitsweise mit hoher Tiefe in der finanziellen Herleitung. Integrierte Planungen werden entlang operativer Treiber aufgebaut, Maßnahmenwirkungen quantifiziert und Szenarien systematisch durchgespielt. Dadurch lassen sich Risiken, Abhängigkeiten und Handlungsoptionen klar strukturieren.

Gerade in Situationen mit hohem Zeit- und Entscheidungsdruck bewährt sich ein Vorgehen, das Analyse und Umsetzung eng miteinander verbindet. Gutachten dienen damit nicht nur der Dokumentation, sondern als strukturierende Grundlage für weitere Schritte.

Fazit

Independent Business Review und Sanierungsgutachten nach IDW S 6 erfüllen unterschiedliche Funktionen. Der IBR schafft Transparenz und prüft die Belastbarkeit von Planung und Annahmen. Das IDW S 6 liefert den strukturierten Nachweis der Sanierungsfähigkeit, insbesondere bei Prolongationen, Fresh-Money-Entscheidungen und komplexen Finanzierungssituationen. Entscheidend ist nicht das Instrument allein, sondern die Qualität der Herleitung und die Fähigkeit, Analyse in tragfähige Entscheidungen zu übersetzen.

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