Corporate Venture Capital im Schweizer Banking

Corporate Venture Capital im Schweizer Banking: Relevanz und Einordnung
| Corporate Venture Capital (CVC) hat sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenthema zu einem festen Bestandteil strategischer Überlegungen im Banking entwickelt. Insbesondere im Schweizer Markt bleibt das Instrument relevant, da Banken zunehmend vor der Herausforderung stehen, Innovation, Wachstum und Effizienz gleichzeitig sicherzustellen. |
Was ist Corporate Venture Capital im Banking?
Corporate Venture Capital bezeichnet direkte, in der Regel nicht-kontrollierende Beteiligungen etablierter Unternehmen an Start-ups mit Bezug zum eigenen Kerngeschäft. Im Banking-Kontext umfasst dies insbesondere Investments in FinTechs, Plattformmodelle oder technologische Enabler entlang der Banking-Wertschöpfungskette. CVC ist dabei kein isoliertes Investmentvehikel, sondern ein strategisches Instrument an der Schnittstelle von Innovation, Strategie und Organisation: Neben finanziellen Renditen steht häufig der strategische Mehrwert im Vordergrund, etwa in Form von Zugang zu neuen Technologien, Innovationsimpulsen (z.B. bezüglich Arbeitsweisen) oder der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. |
Welche strategische Relevanz hat CVC für Schweizer Banken?
Zur Markterschliessung / -bewahrung: Corporate Venture Capital bietet Banken grundsätzlich die Möglichkeit, neue Märkte und Geschäftsmodelle mit hohem Potenzial zu erkunden, ohne dass zu viel eigener Entwicklungsaufwand notwendig ist. Im Schweizer Kontext gewinnt dieser Aspekt zusätzlich an Bedeutung, da der Bankenmarkt bereits stark durchdrungen ist und nur moderates Wachstum bietet. Gleichzeitig treten vermehrt neue, technologiegetriebene Anbieter in den Markt ein (z.B. Revolut), wodurch CVC gezielt zur Markterschliessung und -verteidigung eingesetzt werden kann.
Für risikoreduzierte Innovation: Der Innovationsdruck durch BigTechs und Plattformmodellen nimmt zu, während sich Technologiezyklen weiter verkürzen. Schweizer Banken stehen diesbezüglich vor der Herausforderung, dass ihre interne Innovationsgeschwindigkeit häufig durch regulatorische Anforderungen, gewachsene Strukturen und eine ausgeprägte Risikokultur begrenzt ist. Interne Disruption ist somit schwierig, wodurch CVC als Instrument zur risikoreduzierten Innovation an Bedeutung gewinnt.
Als Trumpf in der Talentgewinnung:Ein weiterer zentraler Faktor mit strategischer Relevanz ist der Zugang zu Talenten. Hochqualifizierte Fachkräfte sind im Technologiebereich weiterhin knapp und auch wenn der Talentpool für Banken in der Schweiz durch den Abfluss bei UBS / CS gut gefüllt ist, bleibt der Wettbewerb für digitale Talente weiterhin intensiv. CVC ermöglicht es Banken, gezielt Zugang zu Gründerteams, Entwicklern und innovativen Arbeitsweisen zu erhalten und wird damit zu einem wichtigen Hebel in der Talentgewinnung.
Die zentrale Fragestellung: Nicht ob, sondern wie
In der Praxis zeigt sich, dass die Entscheidung für oder gegen CVC zunehmend in den Hintergrund tritt. Im Fokus steht vielmehr die Frage, wie CVC konkret ausgestaltet werden sollte. Die Wirkung von CVC hängt dabei massgeblich von seiner strategischen Positionierung ab. Unklare Zielbilder oder widersprüchliche Erwartungen führen häufig dazu, dass CVC-Einheiten hinter ihren Möglichkeiten bleiben. Eine bewusste und konsistente Ausgestaltung ist daher die zentrale Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. |
Erfolgsfaktoren und typische Herausforderungen von CVC
| Die praktische Umsetzung von Corporate Venture Capital erweist sich für viele Banken als anspruchsvoll. Während die strategische Relevanz häufig unbestritten ist, zeigen sich in der operativen Ausgestaltung deutliche Unterschiede mit entsprechend unterschiedlichen Ergebnissen. Entscheidend ist dabei weniger die Existenz von CVC-Aktivitäten als deren konsequente und konsistente Ausgestaltung. |
Strategische Positionierungsoptionen
| CVC-Setups lassen sich im Kern entlang zweier Dimensionen strukturieren: dem Grad der Institutionalisierung und dem inhaltlichen Fokus der Beteiligungen. |

Der Institutionalisierungsgrad reicht von opportunistischen Einzelinvestitionen bis hin zu dedizierten CVC-Einheiten mit klar definiertem Mandat, Budget und Governance. Parallel dazu unterscheidet sich das Zielsystem bzw. der Fokus von CVC: Vom Fokus auf primär finanziell orientierte Investments bis hin zu einem Fokus auf strategische Investments, sei es zur defensiven Absicherung gegen neue Konkurrenten oder zur Erschliessung neuer Märkte (Produkte / Segmente / geografisch) oder Geschäftsmodelle. Die Wahl dieser Positionierung ist eine grundlegende strategische Entscheidung und muss konsistent zur Gesamtbank passen. |
Warum viele CVC-Initiativen nicht ihr volles Potenzial entfalten
Trotz steigender Relevanz bleibt die tatsächliche Wirkung von CVC in vielen Banken begrenzt. Aus Projekterfahrungen sowie Marktbeobachtungen lassen sich wiederkehrende Herausforderungen identifizieren. Ein zentraler Ausgangspunkt ist häufig eine unklare oder inkonsistente Positionierung. Weder der angestrebte Grad der Institutionalisierung noch der Fokus der Beteiligungen sind klar definiert oder konsequent umgesetzt. In der Folge bleibt die Rolle von CVC innerhalb der Bank oft unscharf. Eng damit verbunden ist eine fehlende Priorisierung zwischen strategischen und finanziellen Zielsetzungen. Dies erschwert sowohl die Steuerung des Portfolios als auch die Erfolgsmessung und führt zu inkonsistenten Investmententscheidungen. Auch die organisatorische Verankerung ist häufig nicht auf die gewählte Positionierung abgestimmt. CVC-Einheiten agieren teilweise isoliert, Entscheidungsprozesse sind langsam und die Anbindung an das Kerngeschäft bleibt begrenzt. Zudem fehlt es oft an aktivem Portfolio- und Impact-Management. Investments werden getätigt, jedoch nicht systematisch gesteuert oder in konkrete Business-Mehrwerte überführt. Insgesamt entsteht so häufig ein Setup, das weder klar strategisch ausgerichtet noch konsequent finanziell optimiert ist und entsprechend nur begrenzte Wirkung entfaltet. |
Erfolgsfaktoren für ein wirksames CVC-Setup
| Erfolgreiches CVC basiert auf einem konsistenten Zusammenspiel von Strategie, Organisation und Prozessen. |

Strategisch ist ein klares, aus der Positionierung abgeleitetes Zielbild entscheidend. Dazu zählen ein definierter Investmentfokus, die Definition des Zielbeitrags des Portfolios und einzelner Beteiligungen sowie eine aktive Portfolio-Steuerung entlang klarer Logiken für Kooperation, Skalierung und Exit. Ergänzend sind transparente, datenbasierte Reporting- und Steuerungsmechanismen erforderlich. Organisatorisch kommt der klaren Verankerung der CVC-Einheit eine zentrale Rolle zu. Eine enge Anbindung an das Top-Management, klar definierte Rollen zwischen CVC und Kerngeschäft sowie ein Team mit VC- und operativer Erfahrung sind entscheidend. Anreizsysteme sollten dabei den Erfolg der Einheit unterstützen und müssen daher an die definierten strategischen Ziele angepasst sein. Prozessual sind klare Entscheidungsstrukturen und die richtige Entscheidungsebene zentral, wobei strategische Themen eher auf Portfolioebene als auf Einzelinvestitionsebene adressiert werden sollten – sprich: Das Top-Management definiert den Rahmen, innerhalb dessen die CVC-Einheit dann die notwendigen Freiheiten erhält. Effiziente Investmentprozesse, ein strukturiertes Portfolio- und Impact-Controlling sowie ein bewusst gestaltetes Interaktionsmodell mit den CVC-Beteiligungen sind weitere Schlüsselfaktoren. Nur wenn diese Dimensionen konsistent zusammenspielen, kann CVC nachhaltig Wirkung entfalten. |
Wie Horn & Company Banken bei Corporate Venture Capital unterstützt
Genau bei diesem Zusammenspiel der strategischen, organisatorischen und prozessualen Dimension setzen wir an – von der Entwicklung eines klaren Zielbilds bis zur Umsetzung im Tagesgeschäft. Unser Fokus liegt insbesondere auf:
Wir begleiten Banken dabei holistisch und stellen sicher, dass CVC als integraler Bestandteil der Gesamtstrategie wirkt. |
In der Praxis reichen oft wenige, klar priorisierte Hebel, um die Wirkung von CVC deutlich zu erhöhen. Wenn Sie bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen, stehen wir Ihnen gerne für einen Austausch zur Verfügung. Ein erstes Gespräch hilft, konkrete Ansatzpunkte zu identifizieren.




