Unterschätzte Baustelle: Overheads als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit

VonBastian Imhof,Ivo Schmincke,Martin Geis,Dr. Michael Lukarsch
Lesedauer: 2 MinutenAutomotive, Point of View

Die Automobilindustrie gilt seit Jahrzehnten als einer der Innovationsmotoren der deutschen Wirtschaft. Sie hat Märkte geprägt, Technologien vorangetrieben und ganze Regionen in Wohlstand geführt. Doch die Branche steht seit einigenJahren unter enormem Druck: Elektrifizierung, Digitalisierung, verändertes Konsumentenverhalten und geopolitische Unsicherheiten verschieben die Spielregeln radikal.

Wo Werke glänzen, bleiben Strukturen zurück

Die Automobilindustrie ist in vielerlei Hinsicht Meisterin der Effizienz. Produktionswerke wurden über Jahre hinweg bis ins letzte Detail optimiert. Lean Management, Just-in-time-Lieferketten, Six Sigma und Automatisierung haben die direkten Bereiche – also Produktion und Montage – zu Hochleistungsmaschinen geformt. Kaum eine Schraube wird gesetzt, ohne dass ihre Effizienzsteigerung zuvor berechnet wurde.

Doch so stark die Transformation auf den Shopfloors und in den Produktionslinien auch wirkt – ein kritischer Blick auf die Strukturen dahinter offenbart unerschlossene Potentiale. 

Overheads: Die vergessene Baustelle

In der Zentrale, in den indirekten Bereichen und den unterstützenden Funktionen zeigt sich ein anderes Bild. Hier fehlt häufig die gleiche Stringenz in der Optimierung. Zentralfunktionen, Standortstrukturen und administrative Prozesse haben sich über Jahre aufgebläht. Während Werke und Produktionsstraßen sich einem gnadenlosen Effizienzdiktat unterwarfen, wurden in den Overheads – also Verwaltung, Management, Support – Effizienzpotenziale kaum gehoben.

Es ist paradox: Die Komplexität in der Industrie bleibt bestehen, ja sie wächst sogar – durch neue Geschäftsmodelle, Regulierungsanforderungen und technologische Umbrüche. Gleichzeitig lasten zentrale Strukturen schwer auf den Unternehmen. Während in der Fertigung jeder Handgriff auf seine Notwendigkeit geprüft wird, gibt es in den indirekten Bereichen oft Prozesse, die weder schlank sind noch die Wertschöpfung unterstützen.

Optimieren auf Sparsamkeit und Effizienz

In Zeiten, in denen Margen sinken, Absatzmärkte schwanken und Milliarden in neue Technologien fließen müssen, können sich Unternehmen diese Blindstelle nicht länger leisten. Overheads sind längst kein „Nebenschauplatz“ mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Die Aufgabe lautet: Dieselbe Energie, mit der Produktionsprozesse auf Effizienz getrimmt wurden, nun auch auf die indirekten Bereiche zu übertragen. Das bedeutet: klare Rollen- und Aufgabenverteilung, Abbau von Doppelstrukturen, Nutzung digitaler Tools für administrative Prozesse, konsequente Prozessoptimierung – und eine Kultur, die auch in der Zentrale Kostenbewusstsein verankert.

Fazit

Die Automobilindustrie hat sich an vielen Stellen neu erfunden – aber nicht überall. Die Optimierung von Overheads ist der tote Winkel, der bislang übersehen oder verdrängt wurde. Wer heute konsequent in Sparsamkeit und Effizienz denkt, darf diese Baustelle nicht länger ignorieren. Gerade weil die Komplexität bleibt, müssen zentrale Funktionen verschlankt, indirekte Bereiche professionalisiert und Kostenstrukturen neu gedacht werden.

Die Branche wird den nächsten großen Effizienzsprung nicht in den Werken machen – sondern in den Zentralen.

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